Von ehrenhaften Niederlagen

Den sandigen Kunstrasen der vorvorletzten Generation in seinem trüben Grün überleuchtete das Gelb und Rot und Grün der herbstlichen Bäume, die den Platz des FC Epe zu drei Seiten überragten, ihn geradezu in eine natürliche Schlucht, Kolosseum ohne entrinnen, betteten. Mit neu gewonnenem Stolz und breiter Brust waren unsere Gladiatoren aus dem Staub der letzten zwei Spiele getreten. Nach überragenden Leistungen gegen Wüllen und Nienborg gingen sie zwar nur einmal als Sieger, jedoch stets lebendiger als zuvor, vom Platz. In nur einer Woche war aus einer glücklosen Truppe eine Horde Berserker geworden, denen zwar nicht der Blutdurst aber der Siegeswille in den Augen funkelte.

Nachdem zur Begrüßung Gebrüll ausgetauscht worden war, sein Nachhallen noch immer zwischen den Wänden des Kolosseum durch die Menge der Zuschauer hallte, ging der ASC zur direkten Offensive über. Anstoß, der Ball rüber auf die Rechte Seite, Antritt, kurz verzögern, wieder Antritt, der Pass in die Mitte, doch leider zu ungenau. Auch in den nächsten Minuten ließ Schöppingen die Muskeln spielen, bekam den Ball jedoch nicht über die Linie. Sie standen hoch, pressten und liefen und machten und taten, attackierten und verteidigten mit ganzer Kraft. Alle spürten das hier heute etwas zu holen sei! Dann ein langer Ball über die grün-weiße Abwehr, ein Eperaner setzte sich durch, der Torwart schafft es nicht mehr rechtzeitig aus dem Kasten, und… hielt dennoch. Abschlag, der Ball ging ein paarmal hin und her, dann wieder ein langer Ball, alles genau wie zuvor, ein Déjavù, ein Fehler in der Matrix, doch diesmal zappelt der Ball im Netz. 1:0 für Epe, ein schwerer Schlag. Schöppingen schaffte es nicht sich zu berappeln, stellten um, um defensiver zu agieren, hinkten dennoch über den Platz , wie ein Boxer vorm K.O., und prompt fiel das 2:0.

Das Halbzeitmantra: Wieder spielen wie zu Beginn und dann mit einem schnellen Anschlusstreffer zurückschlagen. Gesagt, getan. Nach der Halbzeit mit zwei Sturmspitzen agierend, kamen sie wieder in Fahrt. Ein Abgewehrte Angriff Epes prallte bis an die Mittelinie, wurde dort von Sivar Osman aufgenommen und mit unaufhaltsamer Geschwindigkeit voran getragen. Er ließ einen Spieler aussteigen, dann zwei, dann drei, neben ihm die zweite Speerspitze, jetzt am 16 Meterraum, müsste abspielen, ließ stattdessen den vierten Spieler aussteigen und lupft lässig über den Torwart. 2:1. Ein Vorstoß, ein verheerender Stich in das Spiel Epes und alles war wieder offen. Das Spiel danach lange auf Augenhöhe, doch Schöppingen gelang es nicht mehr gezielte Treffe zu landen, in der Folge verloren sie immer mehr von ihrem Spielanteil. Epe hingegen reichte ein erneuter langer Ball auf den Stürmer und ein wenig Glück im Strafraumgewusel um erst auf 3:1, dann auf 4:1 zu erhöhen. Das starke Durchtanken Talha Sens durch die gesamte Abwehr und anschließender Torerfolg zum 4:2 war da leider nur noch Ergebniskosmetik.

Ja, sie lagen am Boden, hatten verloren, doch verloren mit Ehre und Stolz, zeigten zu was sie fähig sein würden in den nächsten Spielen und hatten so seine Gunst gewonnen. Die Gunst des Fußballgottes, dessen Daumen gen Himmel zeigte, ihr Schicksal so nicht besiegelte, denn er wollte mehr sehen vom kühnen Kampf dieser kraftvollen Gladiatoren!