Von V wie Vendetta

Ein Schleier feinen Regens trübte die Sicht, aber nicht das Gemüt, trägt ein solches Wetter doch zur theatralischen Stimmung des urmenschlichen Epos bei, zudem sich Spieler und Zuschauer all sonntäglich versammeln. Das Schauspiel dieses Tages trug den Titel „Rache“ im weniger pathetischen und aggressiven Sportjargon „Revanche“ genannt. Revanchieren wollte sich der ASC für die Last-Minute-Niederlage aus dem Hinspiel, welche ihnen noch immer auf dem Herzen lastete. Eine Niederlage deren Fatalität erst im Laufe der Saison ersichtlich wurde – die Hypothese, dass sie die Urkatastrophe hinter all den anderen schlechten Spielen unserer Helden war, lässt sich durchaus aufstellen und wurde es auch, wenn auch nicht in Doktorarbeiten, so doch auf dem Meckerhügel, zu Genüge. Man wartete also in andächtiger Stille, bis der Vorhang sich lüftete und der erste Akt begann.

 

Was für eine Halbzeit! Schöppingen mit Mut und Kraft und Eleganz immer wieder am tänzeln zwischen den Almsicker Verteidigern, nur das Tor wollte nicht fallen. Almsick hingegen mit keiner richtigen Chance und so war ihre größte Möglichkeit ein (vermutlich zurecht, wenn auch umstritten… höchst umstritten) nicht gegebener Elfmeter. Schließlich, die Halbzeit kam in großen Schritten näher, kam Daniel Bartesch über links, flankte den Ball in die Mitte, der titschte auf, beschleunigt auf dem nassen Rasen, doch der Torwart war zur Stelle, streichelte den Ball – wohl eher eine sanfte Natur – mit seinen Fingern grade so vor die Füße von Philipp Große Daldrup, der nur noch reinzuschieben brauchte. Die Zuschauer skandierten P-G-D, P-G-D, P-G-D; mit einer verdienten 1:0 Führung ging es in die Pause.

Erst die Trojaner, dann die Chinesen, schließlich Walter Ulbricht und jetzt der ASC: Von diesem Mauerwerk kann Donald Trumpf sich noch was abschauen. Ein Mauerwerk aus Fleisch und Blut und Willen, an dem Almsick sich die Zähne ausbiss. Wollte der Ball auch nicht so recht zirkulieren in den eigenen Reihen, setzte der ASC auf andere Tugenden und hielt Hinten alles dicht. Selbst mit Brecher Alexander Olbers gelang es Almsick nicht eine Bresche zu schlagen; die Null stand wie eine Eins und somit auch die knappe Führung bis zuletzt. Frederik Zurholt, der ausdrücklich um Erwähnung in dieser Glosse bat, gönnte Almsick in der letzten Minute noch ein Erfolgserlebnis, als er mit dem Ball am Fuß, den Torwart bereits ausgetanzt, vor dem leeren Tor wartete bis ein Almsicker sich heldenhaft in den Schuss werfen konnte, um eine höhere Niederlage zu verhindern.

So darf es weitergehen in den nächsten Spielen. Mit gestärkter Psyche kann die Rückrunde nun kommen, nächste Woche Stadtlohn und dann die ganze Welt.