Von Frühlingsgefühlen und einer Bank auf die man sich verlassen kann

 

„Die Sonne scheint, die Spieler sind alle bereit, es ist soweit, Ole, Ole, Ola!“

                                            -afrikanisches Sprichwort-

Der Frühling. Wenn die Vögle aus dem Süden wiederkehren, die Pflanzen grünen, die Sonne durch Wolken und Löwenzahn durch Asphalt bricht, dann ist es wieder so weit. Es ist eine Zeit des Erwachens, eine Zeit des Wachsens, an Aufgaben und an sich selbst. Der Frühling. Die Zeit des Underdogs, wenn Märchen wieder wahr werden.

Die Parole lautete noch immer Abstiegskampf, bis zum hoffentlich nicht ganz so bitteren Ende. Und für unsere Helden hieß dies, sich von der Niederlage der letzten Woche gegen Epe nicht den Wind aus den Segeln nehmen zu lassen. In Ellewick beim Sechspunktespiel könnten sie nicht nur den ASV, sondern auch Fortuna Gronau ein- und überholen und so ein weiteres wichtiges Kapitel in ihrer langen Geschichte schreiben.

 

Sekunden vor dem Anstoß, standen sie stoisch da. Die Haare, in der leichten Brise wehend, glänzten in der Sonne, die Muskeln gespannt, durch die hervortretenden Adern pulsierte das Blut, und in den Augen Entschlossenheit, nichts als die Entschlossenheit.

Die erste Minute begann gleich rasant. Nur ein Ball auf die rechte Seite, auf der Philipp Große Daldrup ein paar Meter zurücklegte, dann die Seitenverlagerung über Robin Pieper zu Tim Tietmeyer, der die Verteidiger noch auf der Grundlinie mit einem lässigen Hüftschwung und etwas sanftem Ballgestreichel ordentlich natzte und dann der Pass in die Mitte zurück auf Große Daldrup, der nur noch reinschieben brauchte, waren nötig, um das Spiel an sich zu reißen. Es brauchte nur vier Pässe, um die ellewicker Verteidigung auszuhebeln, nur vier Pässe zur schöppinger Führung. Es war zwar erst April, doch der Frühling verhieß Gefühle und in Schöppingen hieß das Schützenfest-Laune.

In der Folge war der ASC die klar überlegene Mannschaft was sie vor allem der starken Leistung und Aufopferung der Ersatzspieler und Zuschauer auf und neben der Bank zu verdanken hatten. Nicht nur, dass sie das Team durch ihre Abwesenheit vom Platz nicht runterzogen und so passiv stärkten, nein, besonders durch ihre Anfeuerungen und taktisch eingesetzten Pöbeleien schafften sie es das Team auf dem Platz anzutreiben und schließlich in der 28. Minute eine rote Karte für Sebastian Klein-Günnewyck zu schinden. Dieser hatte in einem verzweifelten Versuch Eduard „Moin Edu“ Heinz von einem seiner berühmten 100 Meter Soli mit anschließendem Tor abzuhalten, diesem kurzerhand von hinten die Beine weg gezogen, nachdem dieser ihn mit so wildem Gefummel, wie man es sonst nur bei pubertären Teenagern sieht, hinter sich gelassen hatte. Wie ein Mann sprangen Bank und Fans auf und wiesen den Schiedsrichter eindrücklichst darauf hin, dass eine gelbe Karte hier nicht würde reichen können. Er bedankte sich herzlich und mit Kusshand für den freundlich vorgebrachten Hinweis, ließ die Hand von der Brusttasche langsam in Richtung Gesäß wandern und zog die in der Sonne rötlich glimmende Arschkarte.

Trotz Überzahl gelang es dem ASC nicht ihren Vorsprung noch in der ersten Hälfte auszubauen, aber mit aller Ruhe ließen sie Ball und Gegner laufen, sodass die schon in der Halbzeitpause aus allen Löchern pfiffen. Erst in der zweiten Hälfte kam es dann zum finalen Schlag. Jonas Hemker schoss Tor Zwei und Drei für den ASC und bewarb sich so nachhaltig für einen Platz im Kader der zweiten Mannschaft in der nächsten Saison. Aus Mitleid für den Gegner und um den anderen Spielern nicht vollkommen die Show zu stehlen legte er die potenziellen Tore Vier und Fünf gewitzt am Tor vorbei.

Aus Mysteriösen, mit dem heutigen Kenntnisstand der Wissenschaft nicht zu erklärenden, Gründen gelang es Ellewick doch noch auf 2:1 dann auf 3:2 heran zu robben. Die schöppinger Verteidigung und das defensive Mittelfeld verloren für wenige Sekunden vor den Gegentoren jegliche Orientierung und bewegte sich vom einen auf den anderen Moment wie in Zeitlupe, oder wie im Alptraum, wenn man vor einem Monster davon läuft, aber nicht entrinnen kann, da es ist, als liefe man durch Wasser. Theologen vermuten, dass die Spieler des ASV in der Halbzeitpause mehr beteten und Gott ihnen unter die Arme greifen wollte, Physiker am LHC in Zern machen hingegen Gravitationswellen und eine damit einhergehende Krümmung der Raumzeit für das ungewöhnlich Phänomen verantwortlich.

Schließlich jedoch konnten weder Gott noch das Universum den ASC vom verdienten Sieg abhalten. Nikolas Wewers schoss das 4:2 in der 82. Minute und unsere Helden kletterten vom 14. auf den 12. Tabellenplatz. Die Sonne stand hoch in Schöppingen, als sie die Rückkehrenden Recken begrüßte. Sie schien nur für sie und würde nie mehr untergehen.