Von Schüssen wie Kunstwerken

Und schon wieder ein Sechspunktespiel und schon wieder diese Spannung. Mit einem Sieg gegen den SV Gescher könnten unsere Helden dessen Platz auf der Zehn einnehmen und somit einen wichtigen Schritt raus aus dem Tabellenkeller, in bisher ungeahnte Höhen wagen. Man könnte sagen sie mussten die Punkte aus den letzten Spielen veredeln, wie gute Spirituosen und mit denen kannten sie sich bekanntlich aus. Auch wenn sie die letzten zwei Spiele vielleicht nicht gerade dominiert hatten, oder gar souverän gewonnen, vielleicht nicht einmal verdient, so hatten sie doch gewonnen und das war mehr als man über den Großteil der Hinrundenspiele sagen konnte. Hier galt es an- und einen draufzusetzen.

Von Rückrundenteams

Das Hinspiel unserer Helden gegen den SC Südlohn gehörte wohl zu ihren Tiefpunkten der Hinrunde. Nach durchzechter Kneipennacht ließen sie sich brutal und bis zur Besinnungslosigkeit, ohne Gegenwehr 4:0 abschlachten. Das Rückspiel hingegen stand nun unter ganz anderen Vorzeichen, denn der Schöppingen erlebte eine beispiellose Siegesserie während Südlohn immer tiefer im eigenen Elend versank.

Über die erste Halbzeit lassen sich nicht viele Worte verlieren. Beide Mannschaften trabten etwas müde über den Platz, wobei Südlohn es nach vier Spielen ohne Sieg wohl wirklich war, während der ASC als gutes Pferd nun einmal nur so hoch sprang wie sie mussten, wobei sie ab und an doch bedenklich die Stangen streiften (womit der hinkenden Pferde-Metapher hier genüge getan sein sollte).

Von vor sich hin dümpelnden Spielen

Es gab wohl viele Möglichkeiten den Gründonnerstag schöner zu verbringen, als dieses Spiel zu sehen. Da wären zum Beispiel der beliebte Frühjahresputz, ein unangekündigter Vokabeltest oder eine Matheprüfung, und nicht zuletzt der Klassiker: Wurzelbehandlung beim Zahnarzt des Vertrauens. Doch etwa 40 bis 50 Leute hatten das Pech einer sauberen Wohnung, einer abgeschlossenen schulischen Ausbildung und gesunder Zähne, und so blieb ihnen nichts anders übrig, als an diesem Abend das Spiel des ASC Schöppingen gegen den SF Graes zu sehen, oder besser gesagt: zu erleiden. 

Von Frühlingsgefühlen und einer Bank auf die man sich verlassen kann

 

„Die Sonne scheint, die Spieler sind alle bereit, es ist soweit, Ole, Ole, Ola!“

                                            -afrikanisches Sprichwort-

Der Frühling. Wenn die Vögle aus dem Süden wiederkehren, die Pflanzen grünen, die Sonne durch Wolken und Löwenzahn durch Asphalt bricht, dann ist es wieder so weit. Es ist eine Zeit des Erwachens, eine Zeit des Wachsens, an Aufgaben und an sich selbst. Der Frühling. Die Zeit des Underdogs, wenn Märchen wieder wahr werden.

Die Parole lautete noch immer Abstiegskampf, bis zum hoffentlich nicht ganz so bitteren Ende. Und für unsere Helden hieß dies, sich von der Niederlage der letzten Woche gegen Epe nicht den Wind aus den Segeln nehmen zu lassen. In Ellewick beim Sechspunktespiel könnten sie nicht nur den ASV, sondern auch Fortuna Gronau ein- und überholen und so ein weiteres wichtiges Kapitel in ihrer langen Geschichte schreiben.

Von Standardsituationen

Für deutsche Augen war das Spiel des ASC Schöppingen gegen den TUS Wüllen in Wüllen ein Fest! Immerhin gibt es hier, also in Deutschland, für alles Standards. Sogar Tacker, Warnwesten und Gurken sind aufs genaueste normiert. Wem jagte es keinen wohligen Schauer über den Rücken, wenn die sanfte Stimmer der Tagesschausprecher neue Standardisierungen und Richtlinien, die unser aller Leben ordentlicher und sicherer machten, monoton und ohne Mienenspiel in die Welt vokalisieren?

Von Naturgewalten und Jokertoren

Es regnete. Sieben Tage, Sieben Nächte: Regen. Plätze wurden gesperrt, Spiele fielen aus, doch in Schöppingen ließ man die Naturgewalten nicht obsiegen. Hier wurde gespielt. Hier hielten sie es einfach nicht länger aus, am Sonntagmittag bloß herumzusitzen und zu warten, zu warten, zu warten… In ihnen kochte es. In ihnen tobte es. Eine zuvor nie dagewesene Energie brannte ihnen in jedem Muskel, zerrte von innen, wollte hinaus. Bei langen Laufeinheiten in tiefem Schnee entfacht, im Flutlicht der Trainingseinheiten bis tief in die Nacht angefacht, durch jede Grätsche und jeden Zweikampf in Testspielen auf Hühnerwiesen genährt, loderte sie in ihnen und drängte auf den Platz.

Von verdienten Pausen

Es war das letzte Spiel vor der Winterpause und unsere Grün-Weißen fuhren als Favoriten nach Stadtlohn, waren sie doch in der Rückrunde bislang ungeschlagen. Ein Sieg und man hätte sich als bärenstarke Rückrundenmannschaft in die Pause begeben, sich unter die Decke mummeln, vor den Kamin fläzen und von seinen Heldentaten berichten können. Doch wie dieser Anfang und die Ausgiebige Nutzung des Konjunktivs bereits vermuten lassen, kam es anders.

Von V wie Vendetta

Ein Schleier feinen Regens trübte die Sicht, aber nicht das Gemüt, trägt ein solches Wetter doch zur theatralischen Stimmung des urmenschlichen Epos bei, zudem sich Spieler und Zuschauer all sonntäglich versammeln. Das Schauspiel dieses Tages trug den Titel „Rache“ im weniger pathetischen und aggressiven Sportjargon „Revanche“ genannt. Revanchieren wollte sich der ASC für die Last-Minute-Niederlage aus dem Hinspiel, welche ihnen noch immer auf dem Herzen lastete. Eine Niederlage deren Fatalität erst im Laufe der Saison ersichtlich wurde – die Hypothese, dass sie die Urkatastrophe hinter all den anderen schlechten Spielen unserer Helden war, lässt sich durchaus aufstellen und wurde es auch, wenn auch nicht in Doktorarbeiten, so doch auf dem Meckerhügel, zu Genüge. Man wartete also in andächtiger Stille, bis der Vorhang sich lüftete und der erste Akt begann.

Von Derbys und deren Helden

Kalt ist es geworden auf den Plätzen der Republik, die Hinrunde geht ihrem Ende entgegen, dennoch erwarteten alle beteiligten ein umso hitzigeres Duell zwischen dem ASC und dem SC Ahle, trainiert von niemand anderem als dem Schöppinger Urgestein Tobias Haverkock. Zwar sind in der Kreisliga alle Spiele Derbys – ein nicht unwesentlicher Grund dafür, dass wir alle diese Liga so lieben – doch schwingt sich eine solche Konfrontation selbstredend zu besonderer Brisanz empor. Der Anpfiff wurde sehnlichst erwartet.

Von leidigen Déjà-vus

Jedes Spiel wie das Vorherige, jede Niederlage gleicht sich wie ein Ei dem anderen. In den Erinnerungen fließen sie zusammen zu einem frustrierenden Brei aus Zeit. Es könnte an dieser Stelle der Spielbericht der letzten Woche stehen, es würde nichts ändern.